Petition · gestartet 6. September 2026

Sachsen ohne Anhalt

Sichere Verkehrswege für alle

Petition an die Deutsche Bahn, das Bundesministerium für Verkehr, das Bundesministerium des Innern und die Bundespolizei sowie das Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt.

Liebe Mitreisende, liebe Nachbarinnen und Nachbarn,

am 6. September 2026 hat die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen historischen Sieg errungen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik gewinnt eine Partei eine Landtagswahl, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird. Das amtliche Endergebnis liegt zum Zeitpunkt dieser Petition noch nicht vollständig vor, doch die Richtung ist eindeutig.

Wir wollen hier nicht werten, wie einzelne Menschen abgestimmt haben oder warum, denn zwischen Hass und Hoffnungslosigkeit gibt es viele Schattierungen. Aber wir müssen benennen, was diese Entwicklung für alle bedeutet, die nicht in das Weltbild dieser Partei passen: Menschen mit Migrationsgeschichte, jüdische und muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger, queere Menschen, linke und politisch andersdenkende Menschen, Menschen mit Behinderung – kurz: alle, die nicht in die völkische Norm passen, die diese Partei zu definieren versucht.

Ein Zug ohne Anhalt – für die Sicherheit?

Sachsen-Anhalt liegt mittendrin. Wer mit der Bahn von Nordrhein-Westfalen in die Hauptstadt Berlin reist, kommt kaum an Sachsen-Anhalt vorbei – über Hannover und Magdeburg oder über den Harz. Man muss dort nicht wohnen, um dort verwundbar zu sein. Ein Umstieg in Magdeburg, ein Zug, der wegen einer Störung außerplanmäßig endet, eine Verspätung, die den letzten Anschluss kostet, ein ausgefallener Zug, der zum ungeplanten Aufenthalt zwingt – das reicht, um auf einmal Zeit an einem Ort zu verbringen, den man sich nicht ausgesucht hat.

Und genau dort wird es für manche Reisende gefährlich. In einem Bundesland, in dem eine gesichert rechtsextreme Partei die stärkste Kraft ist, tragen manche Menschen ein höheres Risiko als andere – nämlich die, die zu den erklärten Feindbildern dieser Partei gehören. Das ist kein Vorwurf an alle Wählerinnen und Wähler. Es ist nur eine nüchterne Feststellung: Der Nährboden für Ausgrenzung und Gewalt ist größer geworden.

Was wir konkret fordern

Wirksame, überprüfbare Maßnahmen, damit die Reise durch ein rechtsextrem regiertes Sachsen-Anhalt für alle Menschen sicher bleibt – egal, wohin sie unterwegs sind und wer sie sind.

Von der Deutschen Bahn

  • Ausreichend geschultes Zugbegleitpersonal auf den Transitstrecken durch Sachsen-Anhalt, insbesondere im Nacht- und Spätverkehr
  • Funktionierende Notrufmöglichkeiten in jedem Wagen und an jedem Bahnsteig
  • Verlässliche, gut sichtbare Videoüberwachung an Umsteigebahnhöfen wie Magdeburg, Halle und Dessau
  • Klare, leicht auffindbare Ansprechstellen für Betroffene von Übergriffen, Bedrohung oder Hetze – noch während der Fahrt
  • Nötigenfalls eine Zugverbindung ohne Zwischenhalt in Sachsen-Anhalt

Vom Bundesministerium für Verkehr

  • Aufsicht darüber, dass die Deutsche Bahn diese Standards auf den genannten Strecken tatsächlich einhält
  • Priorisierung von Ersatzverkehr und Betreuung bei Zugausfällen so, dass Reisende nicht unnötig lange an unsicheren Orten festsitzen

Vom Bundesinnenministerium und der Bundespolizei

  • Sichtbare und ansprechbare Präsenz der Bundespolizei auf den relevanten Bahnhöfen, besonders zu Tageszeiten mit erhöhtem Umsteigeaufkommen
  • Konsequente Verfolgung von Hasskriminalität und Übergriffen im Bahnverkehr, inklusive niedrigschwelliger Meldewege

Vom Innenministerium Sachsen-Anhalts

  • Schutzkonzepte auch für Orte außerhalb der Bahninfrastruktur, an denen Reisende unfreiwillig stranden können – Busbahnhöfe, Raststätten, Innenstädte an Umsteigeorten
  • Enge Abstimmung mit der Bundespolizei, damit Zuständigkeiten für Reisende nicht zur Lücke werden

Unterschreibt mit uns

Wir bitten Deutsche Bahn, Bundesverkehrsministerium, Bundesinnenministerium und Bundespolizei sowie das Innenministerium Sachsen-Anhalts, diese Verantwortung anzunehmen – bevor aus Unsicherheit Schaden wird.

Optimistische Grüße
Guido Gallenkamp

Warum das jetzt wichtig ist

Nach ersten Hochrechnungen vom Wahlabend liegt die AfD in Sachsen-Anhalt deutlich vorn. Rechnet man Nichtwählerinnen und Nichtwähler hinzu, die sich nicht aktiv gegen diese Partei positioniert haben, kommt man auf eine ernüchternde Zahl: Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt hat sich am 6. September 2026 nicht entschieden gegen Rechtsextremismus gestellt – sei es durch die eigene Stimme, sei es durch Nichtwählen.

Das heißt nicht, dass Sachsen-Anhalt ein gefährlicher Ort für alle ist, die dort wohnen oder durchreisen. Es heißt, dass der Schutz derer, die zur Zielscheibe werden können, nicht dem Zufall überlassen werden darf – und dass die Verantwortung dafür nicht bei den Betroffenen liegt, sondern bei denen, die Verkehrswege sicher gestalten können und müssen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung,
Guido Gallenkamp, Wuppertal

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